Zum Weihnachtsfest 2011
Auf dem Weg durch die Stader Innenstadt in der Adventszeit: Typisches norddeutsches Schmuddelwetter, meistens jedenfalls, Menschen beim Einkaufen, einige suchen nach Geschenken, andere treffen sich auf dem Weihnachtsmarkt, hektisch die einen, gesellig die anderen, der Lucia-Chor aus Schweden tritt auf und auch andere Attraktionen ziehen viele Gäste an.
So auch die Krippenausstellung in St. Cosmae. Man kommt in die Kirche hinein und lässt die bisweilen unruhige Betriebsamkeit hinter sich. Die Kirche ist stimmungsvoll beleuchtet. Gelegentlich erklingt Musik von der Orgel. Tausende Besucherinnen und Besucher sind gekommen und haben die Ausstellung besucht. Warum? Drei Gedanken dazu möchte ich Ihnen mit auf den Weg durch diese Weihnachtszeit geben.
Zunächst einmal: Krippen erzählen Geschichte. Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem, die Geburt im Stall, das Kind in der Krippe („… denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge …“), dazu die Tiere im Stall, die Hirten auf dem Feld und die Weisen aus dem Morgenland, die Heiligen Drei Könige.
Das ist die Weihnachtsgeschichte, wie sie weiter gegeben wird von einer Generation zur nächsten. Auch wir haben sie als Kinder gehört und geben sie weiter, bewusst oder unbewusst, indem wir Weihnachten feiern.
Krippen zeigen die verschiedenen Episoden dieser Weihnachtsgeschichte auf einmal. Alle Figuren sind zusammen aufgestellt wie zu einem Standbild, verschiedene Szenen in einem Auftritt. Krippen erzählen Geschichte.
II.
Und dann: Krippen veranschaulichen ein Geheimnis. Sie machen deutlich, dass es bei dem Geschehen im Stall zu Bethlehem um eine alltägliche und zugleich um eine besondere Geburt geht. Denn in dem Kind, das im Stall geboren wird, kommt Gott zur Welt.
Das ist wie ein Geheimnis. Hohes und Niedriges, Jenseitiges und Diesseitiges, Himmel und Erde, Gott und Mensch werden in dieser Geburt miteinander verbunden. Das ist nur schwer zu verstehen, und dennoch gehört es zum Kern unseres christlichen Glaubens.
Die Hirten erschrecken sich, und zugleich ist es ein Grund zur Freude („Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude … denn euch ist heute der Heiland geboren“). Der Engel versucht den Hirten zu erklären, was geschieht. Ob sie es begreifen? Wohl kaum.
Und doch gehört auch diese Szene zur Krippe dazu, der Engel und die weihnachtliche Botschaft. In einer Krippe ist das Geheimnis zum Anfassen nahe und zum Begreifen, wie Gott und Welt zusammen gehören. Krippen veranschaulichen dieses Geheimnis.
III.
Schließlich, und das ist der dritte Gedanke: Krippen zeigen Wege auch zu uns selbst. Bei meinem Rundgang durch die Ausstellung in St. Cosmae ist mir eine Krippe besonders aufgefallen, eine Krippe aus Benin in Afrika.
Eigentlich ist es gar keine Krippe, sondern nur drei Figuren: Vater, Mutter, Kind. Nichts weiter. Geschnitzt aus afrikanischem Holz. Schlicht und eindrücklich. Das Kind liegt auf dem Boden. Die Mutter legt sich schützend um ihr Kind. Der Vater sitzt an ihrer Seite und wacht über seine kleine Familie. Das hat mich berührt. Keine große Geschichte, keine verschiedenen Episoden zu einem Bild zusammen gefügt, sondern nur diese eine Haltung, die so viel zum Ausdruck bringt: Zuwendung und Geborgenheit, Bedürftigkeit und Schutz!
Vielleicht ist es gerade das, was viele Menschen an Krippen grundsätzlich anspricht: Die Sichtbarkeit unserer eigenen Bedürftigkeit, die Begegnung mit uns selbst. Denn es ist zum Greifen nahe, dass auch wir darauf angewiesen sind:
· angenommen und geborgen zu sein; · geliebt zu werden von unseren Eltern, von unseren Kindern, von unseren Partnern, von Gott; · Frieden zu finden nach langem Streit; · getröstet zu werden in unserer Trauer; · aufgerichtet zu werden, wenn wir am Boden liegen; · Sinn zu finden in dem, was wir sind und was wir tun; · endlich anzukommen auf unserem Weg.
Vater, Mutter, Kind, – auch wir sind angewiesen auf Zuwendung wie das Kind in der Krippe. Und deshalb: Krippen zeigen Wege auch zu uns selbst. Auf diesen Wegen wünsche ich Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!
Ihr Thomas Kück Superintendent in Stade © Evang.-luth. Kirchenkreis Stade Letzte Änderung: 24. 12. 2011 |
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