Auf dem Kirchenkreistag in HollernTwielenfleth wurde eine Partnerschaft mit dem Gemeindeentwicklungsprojekt San Fernando (Buenos Aires) beschlossen.
Der Antrag, der angenommen wurde lautet:
Der KKT beschleßt
- eine Partnerschaft zu dem Ökumenischen Sozialprojekt ASE (Acción Social Ecuménica), einem Gemeindeentwicklungsprojekt der Evangelischen Kirche am La Plata (EvKaLP) in Buenos Aires aufzunehmen.
Dieses Projekt kümmert sich um sozialgefährdete Jugendliche und ihre Familien in den bonairenser Vororten San Fernando und Tigre. Das Ziel ist die Entwicklung einer eigenen Gemeinde.
Die Partnerschaft umfasst:
- stetiger Informationsaustausch
- Gottesdienstfeiern zu gemeinsamen Themen
- spiritueller Austausch und Verbundenheit (gegenseitige Fürbitte und Gedenken)
- Erfahrungsaustausch auf kirchlicher und theologischer Ebene
- regelmäßige Besuche und Gegenbesuche
- diakonische Hilfestellung
Der Kirchenkreis richtet zwei HHST –en ein. Auf die eine wird jährlich 2000,- € aus KK-Mitteln überwiesen für die Kosten der Partnerschaftsarbeit. Die andere nimmt eingehende Spenden für die ASE auf.
Die Gemeinden des Kirchenkreises unterstützen die Partnerschaftsarbeit zum Beispiel
- durch ihre Fürbitte
- durch regelmäßige Partnerschaftsgottesdienste
- durch Werbung und Einladung zur Mitarbeit
- durch die Entsendung von interessierten Mithelfern
- durch Spenden und Kollekten
Dazu lagen folgende Anlagen vor :
Warum wollen wir partnerschaftliche Beziehungen mit Ortsgemeinden im Süden der Welt aufbauen?
Überlegungen für den Kirchenkreistag Stade 5.6.2008
I. Warum Partnerschaft mit Gemeinden im Süden der Welt (Grundlagen)?
Der gemeinsame Glaube an Jesus Christus, den auferstandenen Herrn, verbindet uns mit den Christen in aller Welt. Kirche als Ortsgemeinde ist darum immer auch Teil der weltweiten Christenheit (1.Kor. 12,12f).
- In der Arbeit eines Kirchenkreises und seiner Gemeinde stellen ökumenische (= weltweite) Direktpartnerschaften eine der konkretesten und verheißungsvollsten Möglichkeiten dar, um über den Horizont der eigenen Gemeinde und des Kirchenkreises hinauszublicken. Gemeinden erleben einen Perspektivwechsel und lernen sich selbst aus der Perspektive der Partnergemeinden in Übersee zu sehen. Kirche wird als ein „global Player“, die eine Welt umspannende Organisation, erfahrbar. Gleichzeitig verbinden sie Menschen weltweit, die Ihren Glauben lokal, an ihren jeweiligen Ort, leben. Ob in Johannesburg/Südafrika oder in Hannover, in Tranquebar/Südindien oder Aurich, in Buenos Aires oder Stade, Menschen erfahren sich im Geiste des lebendigen Gottes verbunden und zum Leben nach dem Vorbild Jesu herausgefordert.
Denn ökumenische Direktpartnerschaften:
· ermöglichen direkte Kontakte und persönliche Begegnungen zwischen Kirchengemeinden in Deutschland Afrika, Asien, Lateinamerika und anderen Teilen der Welt.
· machen den Glauben an den Gott der Bibel in seinem weltweiten Horizont konkret erfahrbar. Aus den „Armen und Notleidenden“ der so genannten Dritten Welt werden Menschen - Schwestern und Brüder, Lehrer und Lehrerinnen im Glauben.
· eröffnen direkte, greifbare und persönliche Wege zum Kampf gegen Armut, Hunger und Ungerechtigkeit in der Welt. Direkte Kontakte und Projektarbeit von Kirchen zu Kirchen lassen Hilfe bei den Menschen vor Ort ankommen.
· durch Partnerschaftsbesuche erleben Gemeindeglieder vor Ort, wie Globalisierung unser alltägliches Leben über Kontinente hinweg grundlegend verändert. Ungerechte Weltwirtschaftsstrukturen bekommen Namen und Gesichter – Globalisierung wird humanisiert und in ihren menschlichen Folgen sichtbar.
· helfen durch einen Perspektivenwechsel die eigenen sozialen wie ökonomischen Probleme im Weltmaßstab neu zu bewerten und einzuordnen.
· ermöglichen den Reichtum der Kulturen und der Kirche Jesu Christi zu entdecken
- Die Synode der VELKD 2004 stellt in diesem Zusammenhang u.a. fest: „Ökumenische Partnerschaften sind eine zentrale Aufgabe der Kirche. Sie sind nicht ein Luxus, den wir uns in wohlhabenden Zeiten leisten, auf den wir aber bei abnehmenden Mitteln verzichten können. Daher bitten wir die Gliedkirchen: Stärken Sie die ökumenischen Partnerschaften auf allen Ebenen..... Setzen Sie notwendige Umstrukturierungen und Einsparungen so um, dass der ökumenische Austausch erhalten bleibt und Kirche als Teil der weltweiten Christenheit erfahrbar ist. Verstärken Sie die Möglichkeiten zum Personalaustausch mit den Partnerkirchen, so dass nicht nur kurzzeitige Begegnungen stattfinden, sondern ein tieferes Kennen lernen und Verstehen möglich wird.... Fördern Sie insbesondere gegenseitige Besuche.“
II. Wozu Partnerschaft mit Gemeinden im Süden (Ziele)?
- Ziel einer Partnerschaft ist, dass die Gemeinden des Kirchenkreises und der Partner in Übersee lebendiger werden und im Glauben wachsen. Gegenseitiges Kennen lernen und Verständnis für den jeweils Anderen/Fremden lassen uns auch im eigenen Kontext gestärkt und ermutigt als Christen leben. Dazu wollen wir in einen tiefgehenden Lernprozess für beide Seiten eintreten. Das voneinander Lernen wird uns befähigen, weltweit und doch lokal, sprich vor Ort, als Christengemeinde unseren Glauben durchs Leben zu bezeugen (Konkret heißt dass zum Beispiel von den Partnern lernen wie Gebet und Leben zusammenhängen)
- Die intensive Begegnung mit Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis macht uns unsere eigene Kultur/Geschichte/Frömmigkeit oft ganz neu bewusst. Mit ihrer ganz anderen Art, ihren Glauben zu leben, stellen die Partner die Gestalt unseres Christseins in Frage und helfen uns, zu entdecken, auf welcher Basis wir stehen und was uns selber unverzichtbar ist.
- Ein solcher Prozess setzt große Offenheit und Solidarität voraus: Es geht zunächst einmal darum, die anderen wahrzunehmen und anzunehmen, wie sie leben, und sie nicht nach unserm vorgefertigten Bild formen zu wollen. Das schließt die persönliche Lebensart ebenso wie die kirchlichen Strukturen ein.
- Partnerschaft kann nur aus dem persönlichen Kennen lernen heraus wachsen. Briefe, regelmäßiger Informationsaustausch, gemeinsame Partnerschafts-sonntage, gegenseitige Fürbitte u.a.m., vor allem aber gegenseitige Besuche schaffen die notwendige personale Nähe. Indem alle Vorhaben jedoch von der Gemeinde bzw. dem Kirchenkreis als ganzem getragen werden, wird verhindert, dass aus personalen Beziehungen rein private werden.
- Die Anbahnung partnerschaftlicher Kontakte ist nur zu verantworten, wenn unser Kirchenkreis mit seinen Gemeinden den langen Atem mitbringt, auch durch Enttäuschungen und schwierige Zeiten hindurch den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Grundsätzlich ist Partnerschaft auf Verbindlichkeit und Dauer angelegt.
- Direktpartnerschaft will auf lange Sicht dazu führen, dass einzelne Gemeinden oder Kreise oder Arbeitsgebiete individuell gestaltete Kontakte zu den entsprechenden Menschen und Einrichtungen in Übersee selbstständig führen.
- Materielle Fragen können bei dem vorhandenen Gefälle zwischen unseren Gemeinden und den Gemeinden aus dem Süden der Welt aus einer Partnerschaft nicht ausgeklammert werden. Sie stehen jedoch nicht am Anfang der Überlegungen, sondern ergeben sich in der Begegnung und im Kennenlernen der Partner.
III. Erste Schritte auf dem Weg zu einer Partnerschaft mit Gemeinden im Süden
- Beim Suchen nach geeigneten Partnern zeichnen wir uns als Kirchenkreis in die bereits bestehenden weltweiten Partnerschaftsbeziehungen unserer Landeskriche ein. Das heißt wir streben Partnerschaft mit Gemeinden und Projekten an, die zu einer der Partnerkirche unserer Landeskirche gehören. Dabei ist das Ev.-luth. Missionswerk und das zuständige Dezernat im Landeskirchenamt unser Ansprechpartner.
- Der Kirchenkreistag beschließt förmlich auf eine ökumenische Direktpartnerschaft zuzugehen. Mit der Weiterarbeit wird der Ausschuss für Mission, Partnerschaft und Ökumene beauftragt. Es soll eine Arbeitsgruppe gegründet werden, bei der auch andere Interessierte mitmachen können und die dem Kirchenkreistag berichtet.
- Die Partnerschaftsarbeit wird auch aus Kollekten und Spenden zu finanzieren sein. Der Kirchenkreis stellt regelmäßig eine Summe in den Haushalt. Ob die eingestellten Haushaltsmittel wirklich benötigt werden, ist abzuwarten (Ausgaben für evtl. Delegationsreisen etc. werden u.U. auch aus Zuschüssen Dritter, privater Beiträge etc. mitfinanziert, so dass sich die Kosten hier reduzieren könnten). Von Anfang an soll das Einwerben von Drittmitteln eine wichtige Rolle spielen.
- Der Arbeitskreis wird beauftragt, Informationsmaterial auch Gottesdienstmaterial für die Gemeinden zu erstellen und Informationsabende durchzuführen, um so Menschen für dieses Anliegen zu sensibilisieren.