Am 23. Mai 2026 feiert das deutsche Grundgesetz seinen 27. Geburtstag.
Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist das ein Anlass, erstmalig den Tag des Ehrenamtes auszurufen. Ziel ist es, mit den in der deutschen Verfassung festgelegten Grundlagen der Demokratie auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und zu würdigen. Eingebettet ist der „Mitmachtag“ am 23. Mai in den Zeitraum vom 16. bis zum 31. Mai, mit vielen freiwilligen Initiativen landesweit.
Für die Kirche fällt der 23. Mai dieses Jahr auf das Pfingstfest – der Segen des Heiligen Geistes. So ergibt sich ein weiterer Anstoß, sich konfessionsübergreifend, überregional und sichtbar für das gesellschaftliche Miteinander auszusprechen. Hierzu gehört die Initiative „Für alle. Mit Herz und Verstand“, eine gemeinsame Leitlinie der evangelischen und katholischen Kirche zu Wahlen in Deutschland, aktuell ausgerichtet auf die anstehenden Kommunalwahlen in Niedersachsen. Flankiert wird sie von der Anfang Mai publizierten Erklärung der Leitenden Geistlichen der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und der Bremischen Evangelischen Kirche. Sie bekennen sich darin zu den Grundwerten der Demokratie und benennen zugleich die aktuellen Gefährdungen. Weitere Informationen: Für alle: Mit Herz und Verstand – Menschenwürde - Nächstenliebe - Zusammenhalt.
Sabine Preuschoff, Regionalbischöfin im Sprengel Stade, unterstützt die Kampagne um den Ehrentag ausdrücklich. Gemeinsam mit den Leitenden Geistlichen der neun Kirchenkreise des Sprengels verbindet sie mit dieser Unterstützung ein aktives Eintreten für Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt. „Diese Werte gründen auf dem christlichen Menschenbild. Ich werbe dafür, dass wir auf der Basis dieser Werte Brücken bauen, statt zu spalten. In Konflikten ist es notwendig, die Würde der anderen zu achten, auch wenn wir ihre Ansichten und Überzeugungen für falsch oder sogar für gefährlich halten“, sagte Preuschoff. Sie wies darauf hin, dass genau dieser Dialog und dieses „Miteinander im Gespräch bleiben“ an vielen kirchlichen Orten geschehe.
Auch Marc Wischnowsky, Superintendent des Kirchenkreises Stade, findet deutliche Worte gegen Populismus und Extremismus, denen niemals ein echtes Interesse an einer Lösung zugrunde liege: „Das ‚Wir für Euch‘ ist nicht inklusiv. Es zielt auf Ausgrenzung: Wir – gegen die andern. Und die ‚anderen‘ sind schuld oder zumindest sind deren Anliegen weniger wert als die ‚unseren‘“, sagte Wischnowsky und hob die Rolle von Kirche als Ort des Dialoges hervor: „Gerade jetzt sind wir als Kirche manchmal genau diejenigen, die für einen vernünftigen Diskussionsraum sorgen können – und müssen. Wo es nicht darum geht, Menschen anderer Meinung zu besiegen oder auf irgendeine Weise zu bezwingen. Denn am Ende geht es nicht ums Gewinnen, sondern ganz schlicht darum, gemeinsam nach einem gangbaren Weg zu suchen.“ Zur Demokratie gehöre auch das Ringen und sich Einlassen auf Kompromisse: „Denn, wenn nach christlicher Sicht alle Menschen gleichwertig sind, dann kann meine (oder ‚unsere‘) Sicht nicht die einzig gültige sein. Ich muss mich einlassen und sachlich argumentieren.“
Das Engagement für Demokratie und Zusammenhalt sowie das Eintreten gegen Extremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zeigen sich auf vielfältige Weise im Kirchenkreis. Der Jorker Europatag am 9. Mai in St. Matthias, in dem MdEP David McAllister in einen regen Dialog mit der Gemeinde trat, ist dafür ebenso ein Beispiel wie der anstehende queere Gottesdienst „Segel setzen“ in Kooperation mit Queeres Stade e.V. am 01. Juni 2026 in St. Cosmae in Stade.