Kirchengebäude im Wandel: Synode diskutiert Zukunftsaussichten

Nachricht Stade, 06. Juli 2026
Foto: Kirchenkreis Stade

Die Synode des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Stade – das gewählte Leitungsgremium – hat sich in ihrer zweiten diesjährigen Sitzung am 24. Juni mit der Zukunft der Kirchengebäude befasst. Hintergrund der Beratungen sind knapper werdende finanzielle Mittel und der demographische Wandel. Dabei geht es um die Frage, wie sakrale Gebäude auch künftig erhalten, genutzt und zukunftsfähig weiterentwickelt werden können.

Pastor Uwe Junge, Vorsitzender des Synodenpräsidiums, stellte zu Beginn klar, dass es nicht um Verkauf oder Abriss von Kirchen gehe. Vielmehr gehe es darum, Perspektiven für Erhalt, Nutzung und Weiterentwicklung der Gebäude zu gewinnen und Kriterien für die Verteilung künftiger Zuschüsse zu entwickeln.

Konkrete Entscheidungen wurden in der Sitzung bewusst noch nicht getroffen. Die Synode begann stattdessen einen offenen Austausch über ein Thema, das viele Gemeinden sachlich wie emotional bewegt. Ausgangspunkt des Prozesses ist die Rundverfügung K 5 2023 - Kategorisierung Sakralgebäude der Landeskirche aus dem Jahr 2023. Für den Kirchenkreis Stade hat sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretungen aller vier Regionen – Altes Land, Geest, Kehdingen und Stadt Stade – gebildet.

Superintendent Dr. Marc Wischnowsky erläuterte die Ausgangslage. Kirchen würden heute vielerorts weniger genutzt als früher, blieben aber wichtige Orte des Glaubens, der Begegnung und der Kultur. Zugleich seien sie prägende Baudenkmäler, Orte der Ruhe, Gehäuse für Kunstschätze und vielfach auch von touristischer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund gelte es, Nutzungsszenarien zu erweitern – etwa durch Kultur- und Begegnungsformate sowie durch Kooperationen mit unterschiedlichen Akteuren.

Dabei erinnerte Wischnowsky an einen evangelischen Grundgedanken: „In evangelischer Sicht ist nicht das Gebäude heilig, also der Stein, sondern vielmehr wird der Raum geheiligt durch seine Nutzung.“

Für die weiteren Beratungen stellte Pastor Philipp Sapora einen in einer Arbeitsgruppe des Kirchenkreisvorstands erstellten Fragen- und Kriterienkatalog zur möglichen Kategorisierung vor. Er soll helfen, bauliche Aspekte, Nutzungsformen und besondere Merkmale der Gebäude angemessen zu berücksichtigen. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie vielschichtig die Fragen sind – von der Gewichtung der Gottesdienste über eine sich weiter öffnende kulturelle Nutzung, neue Kooperationen und touristische Aspekte. Diskutiert wurde etwa, ob bei Kulturangeboten vor allem die Zahl der Veranstaltungen oder auch die Zahl der erreichten Besucherinnen und Besucher berücksichtigt werden sollte.

In einem nächsten Schritt werden die einzelnen Kirchengemeinden eine erste eigene Bewertung vornehmen. Die vorgeschlagene Kategorisierung nimmt zu 30 % bauliche Kriterien in den Blick – beispielsweise Denkmalschutz, Energieeffizienz oder Zustand und Wert der Orgel. 60 % der Gesamtbewertung fließt in die konkrete Nutzung der Kirche ein, darunter Gottesdienste, nachbarschaftliche Angebotskonzepte und kulturelle Veranstaltungen. Das Jahr 2025 dient hier als Referenz. Zu 10 % werden sonstige Kriterien wie etwa die Erreichbarkeit gewertet.

In Stein gemeißelt ist hier noch nichts, die Daten dienen als eine Diskussionsgrundlage für die nächste Synodensitzung im Herbst.

Auf dieser Grundlage wird sich der Kirchenkreis in den kommenden Jahren weiter mit dem Thema beschäftigen und am Ende auch Entscheidungen über die zukünftige Ausrichtung seiner Kirchengebäude treffen müssen. Die Frage, wie Kirchen unter veränderten Bedingungen verlässlich begleitet, unterstützt und getragen werden können, ist anspruchsvoll, eröffnet zugleich aber auch Raum für neue Ideen, Kreativität und tragfähige Lösungen. Dabei geht es nicht nur um die Kirchengemeinden selbst, sondern auch um Kommunen und weitere Akteure, die den Erhalt und die Weiterentwicklung der Kirchengebäude mit im Blick haben.

„Es ist gut, dass wir gemeinsam ins Nachdenken gekommen sind“, so das allgemeine Fazit zum Abschluss der Aussprache.

Catharina Dufft, Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Stade